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Artikel   Der Feind in meinem Fell: Erkrankungen beim Hund durch Zecken
09.05.2012 von webmaster

Die Temperaturen klettern! Höchste Zeit also für ausgedehnte Streifzüge mit dem Hund
durch Wald und Flur. Wären da nicht die Zecken - nicht nur unangenehm, sondern leider
auch sehr gefährlich. Die heimische Zecke gehört zu den Schildzecken, sie ist auch
allgemein unter dem Namen „Holzbock" (Ixodes ricinus) bekannt. Die von den Zecken
während ihrer Blutmahlzeit übertragenen Erreger verursachen schwere Krankheiten
beim Hund. So kann bisweilen ein einziger Zeckenstich ausreichen, um
Infektionskrankheiten wie Anaplasmose, FSME, Borreliose und die auch als
Hundemalaria bezeichnete Babesiose auf den Hund zu übertragen. Unbehandelt
verlaufen diese oft akut, häufig sogar tödlich oder verursachen chronische
Gelenkerkrankungen.


Hunde-Anaplasmose - schwere Hundekrankheit



Die Hunde-Anaplasmose (granulocytäre Ehrlichiose) wird wie die Borreliose oder FSME
durch den Holzbock, unsere heimische Zecke (Ixodes ricinus), während der Blutmahlzeit
übertragen. Die Erreger dieser Krankheit sind Bakterien (Anaplasma phagocytophilum),
die die weißen Blutkörperchen (Granulozyten) des Hundes zerstören. Die Symptome
der Hunde-Anaplasmose sind unter anderem Fieber, Gewichtsverlust, Schlappheit,
Ödeme in den Gliedmaßen, Beeinträchtigung des Zentralnervensystems und Blutarmut.
Zusätzlich können Gelenkentzündungen auftreten. Etwa zwei bis fünf Prozent der
heimischen Zecken sind in Deutschland mit diesem Bakterium infiziert, d.h. etwa jede
20. Zecke kann diese Krankheit übertragen. Regional kann die Durchseuchung unserer
heimischen Zecken mit diesem Erreger noch höher sein und sogar bis zu neun Prozent
betragen.


FSME - beim Hund eine seltene Erkrankung



Die FSME (Frühsommer-Meningo-enzephalitis), bestimmte Form der
Hirnhautentzündung) wird durch den Holzbock sehr schnell übertragen. Ihre Erreger
sind Viren. Die eigentlichen Übeltäter sind Flaviviren, sie gehören zur Gruppe der
Arboviren. Arboviren sind Viren, welche durch blutsaugende Insekten übertragen
werden. Anders als beim Menschen verursachen diese aber beim Hund nur selten
Symptome. Normalerweise sind Hunde gegen diese Erkrankung immun und laufen eine
Infektion ohne Beschwerden durch. Sind sie aber vorbelastet durch eine andere
Erkrankung und/oder durch eine schwache Immunabwehr, können sie schwer daran
erkranken. Das Krankheitsbild ist sehr vielseitig, es reicht von ataktischen Bewegungen
über Kopfschmerz, Krämpfe bis zu Lähmungen, Nervenausfällen im Gehirn und
allgemein erhöhter Schmerzhaftigkeit, vor allem im Kopfbereich. Fieber ist im akuten
Stadium immer sehr hoch, bis zu 41 Grad Celsius und mehr, es können auch
Verhaltensänderungen in jeder Form auftreten. Als Differenzialdiagnosen sind immer
der Befall von Staupe, Borreliose, Botulismus, Tollwut und Toxoplasmose abzuklären.
Behandelt werden kann nur symptomatisch, es gibt kein spezielles Medikament und2
eine Impfung für Hunde ist noch nicht zugelassen. Sehr oft endet diese Krankheit
tödlich, es werden aber immer mehr Fälle bekannt, wo Hunde mit chronischen
Krankheitsverlauf überlebt haben. Manchmal bleiben kleine neurologische Störungen
zurück, manchmal gesunden die Hunde wieder gänzlich.
Im Gegensatz zur Borreliose, wo die Gefahr einer Ansteckung mit zunehmendem
Verbleib der Zecke am Hund sich erhöht, wird FSME direkt mit dem Biss übertragen, da
die Viren in den Speicheldrüsen der befallenen Zecken sitzen.


Borreliose – seltene Infektionskrankheit



Wird zu den seltenen Infektionskrankheiten gezählt, in der letzten Zeit jedoch auch in
unserer Region eine immer häufiger auftretende Erkrankung. Der Erreger Spirochaeta
burgdorferi wird von Zecken übertragen. Etwa ein Fünftel dieser Blut saugenden
Parasiten, die vor allem in Waldgebieten auf ihre Opfer lauern, trägt den BorrelioseErreger (Borrelien) in sich.
Wie Menschen können auch Tiere an der Lyme-Borreliose
erkranken. Doch anders als beim Menschen ist die Krankheit bei Hunden schwierig zu
diagnostizieren. Typische Symptome von Borreliose sind Gelenkschwellungen und die
damit verbundene Lahmheit bei den erkrankten Tieren.

Die Inkubationszeit (IKZ) beträgt 2 - 5 Monate. Am häufigsten treten leichte Infektionen
ohne Bemerken der Besitzer auf. Tierbesitzer, die erste Warnsignale richtig deuten,
können damit die wichtige Früherkennung durch den Arzt oder Heilpraktiker ermöglichen

– in einem Stadium also, in dem die Borrelien noch nicht ins Nervensystem des Tieres
gewandert sind. Bei Krankheitsausbruch erfolgt - Wochen bis Monate nach dem
Zeckenbiss - eine Verringerung der Futteraufnahme, Fieber, Lahmheit. Schwellungen
und Schmerzhaftigkeit ein oder mehrerer Gelenke, der Muskulatur und der Wirbelsäule.
Lymphknotenerkrankungen und Nierenerkrankungen können sich anschließen. Auch
sind Juckreiz an der Zeckenbissstelle mit leichter Rötung, akute Hauterkrankungen mit
nässenden, aufgeleckten Stellen und Nervenentzündungen möglich. Ein Impfstoff für die
in Europa vorkommenden Spirochaeten-Form ist inzwischen auf dem Markt. Leider kann
von diesem Impfstoff kein hundertprozentiger Schutz gegen die hier heimischen Zecken
erwartet werden.

Die Zecke überträgt die Borreliose-Erreger erst nach ca. 24 Stunden des Saugaktes,
deshalb kann ein frühzeitiges Entfernen die Infektion verhindern. Da die IKZ sehr lang
ist, sollte auch an einen länger zurückliegender Zeckenbefall gedacht werden und nicht
nur die letzten 8 Tage vor dem Auftreten von Fieber und Lahmheit überdacht werden.
Babesiose – „Hundemalaria“: Wenn Reisekrankheiten heimisch werden
Während die Anaplasmose als gefährliche Hundekrankheit erst seit kurzem bekannt ist,
galt die Babesiose bis vor wenigen Jahren noch ausschließlich als Gefahr bei Reisen in
die Tropen und den Mittelmeerländern. Das hat sich geändert: Eine Ausdehnung auch
auf Deutschland und damit die Übertragung von Zecken in unserem Raum ist
inzwischen nachgewiesen. Die Anzahl erkrankter Tiere stieg in den letzten Jahren
deutlich an. Die Regionen mir infizierten Zecken beschränken sich nicht mehr nur auf
das Oberrheingebiet, das Saarland, die Isarauen bei München und die Regensburger
Gegend. Auch in der Berliner Gegend und anderen Regionen in Deutschland wurden3
mit Babesien infizierte Zecken gefunden. Diese Krankheit wird hierzulande von
Auwaldzecken (Dermacentor rhiphicephalus) - eine mittlerweile in ganz Deutschland
verbreitete Zeckenart - übertragen. Verglichen mit den von unserer heimischen Zecke,
dem Holzbock, übertragenen Erregern, wie den FSME-Viren und Borrelien, sind die
durch Auwaldzecken übertragenen Babesien für den Hund viel gefährlicher. Die
Babesiose wird auch „Hundemalaria“ genannt, weil sie in ihrem Krankheitsbild der
menschlichen Malaria ähnlich ist: Die roten Blutkörperchen werden durch Parasiten
zerstört.

Die IKZ ist kürzer als bei der Borreliose und beträgt 10 Tage bis 3 Wochen. Zu den
typischen Symptomen einer akuten Erkrankung zählt Mattigkeit, Schwäche, Fieber (- 42
Grad C), blasse bis gelbliche Schleimhäute, rot-grünbrauner Urin, Appetitlosigkeit,
Anzeichen von Nierenversagen, Gelbsucht, Leber-Milz-Erkrankungen. Wird der Hund
nicht oder zu spät behandelt, stirbt er in der Regel innerhalb weniger Tage an
Nierenversagen.

Bei einer chronisch, schleichenden Erkrankung stehen Fieber, Abmagerung,
Teilnahmslosigkeit und Zeichen einer Lebererkrankung im Vordergrund. Junghunde,
Tiere im Stress und Hunde mit gleichzeitig anderen Parasitenbefall zeigen meist einen
kurzen, schweren Krankheitsverlauf mit Atmungs- und Kreislaufstörungen oder
Blutungsstörungen. Hier tritt bereits nach kurzer Zeit der Tod ein. Obwohl der
menschlichen Malaria sehr ähnlich, ist die Hundemalaria nicht auf den Menschen
übertragbar.


Prophylaxe gegen Zecken - beim Hund ein Muss



Sie sollten auf jeden Fall nach dem täglichen Spaziergang Ihr Tier mit der Hand
absuchen oder mit einem feinen Kamm durchkämmen. Doch durch reines Absuchen
des Hundes allein wird keine Sicherheit erreicht, denn zu viele Zecken werden bei
dieser Methode selbst von Fachleuten übersehen.
Die bestmögliche Vorbeugung gegen alle Erkrankungen durch Zecken ist der Schutz
durch Prävention. Insbesondere im Frühjahr und im Herbst sollten Hundehalter ihre
Vierbeiner mit Anti-Zecken-Präparaten behandeln. Am häufigsten werden Spot-onPräparate eingesetzt.
Alternativ können auch entsprechende Halsbänder mit
Repellentwirkung genutzt werden. Gefahren für den Hundehalter oder die Umwelt sind
nicht bekannt.
Durch Prophylaxe schützt der Hundehalter auch sich selbst und seine Familie vor dem
Kontakt mit den gefährlichen Parasiten. Der Mensch kann zwar nicht an Hundemalaria
erkranken, dafür bergen andere durch Zecken übertragene Krankheitserreger auch für
den Menschen Gefahren, wie zum Beispiel die gefährliche FSME und die Borreliose. Ihr
Tierarzt berät Sie, welches Mittel für Ihr Tier sinnvoll und verträglich ist. Informieren Sie
sich über die Möglichkeiten der Prophylaxe und schützen Sie Ihren Hund bis in den
Spätherbst ausreichend gegen Zecken.4


Achtung:



Entdecken Sie eine Zecke, tun Sie Ihrem Hund den Gefallen und verzichten Sie auf die
alten Hausmittel.

Don’t:

• Nie mit Uhu, Öl. Nagellack, Aceton oder Ähnlichem behandeln!
• Nicht mit der bloßen Hand herausdrehen – auch wenn es noch zu verlockend ist!
Warum nicht?
• Durch diese Maßnahmen wird die Zecke veranlasst, sofort eine große Dosis
Speichel in den Wirt zu injizieren – und damit die gefährlichen Bakterien zu
übertragen.



Do’s:

• Die Zecke so tief wie möglich mit der Zeckenzange umfassen (für wenige Euro
erhältlich bei Tierarzt, Apotheke) und vorsichtig entfernen – möglichst den
Zeckenkopf mit herausdrehen, weil er sonst zu Infektionen führen kann.
• Ob Sie die Zecke mit oder gegen den Uhrzeigersinn drehen, ist unerheblich. Sie
müssen auch nicht unbedingt drehen – ein vorsichtiges Hin- und Herhebeln hilft
auch.
• Je eher Sie die Zecke entfernen, desto besser, sie braucht mindestens 24
Stunden, um die Borrelien zu übertragen.
• Beobachten Sie den Einstich einige Tage, um eine Rötung zu erkennen.


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